Wertvolles Bodendenkmal unter dem Plan?

Radarmessungen und Bohrkernanalysen weisen vermutlich Standort der „Moosburg“ nach

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Eine Luftaufnahme auf einer Postkarte vom 27. Juli 1932 zeigt den historischen Plan in Moosburg von oben.   © Karl A. Bauer

Wochen und Monate wird bereits über den Plan diskutiert, die Bürger wurden befragt, die Preise für den Wettbewerb zur Umgestaltung sind seit einiger Zeit vergeben. Trotzdem scheint es jetzt erst so richtig loszugehen: Parkplätze ja oder nein, Tiefgarage ja oder nein – zwei Bürgerbegehren sind schon auf dem Weg. Eine Sache aber wurde bei der Debatte bislang oft außen vor gelassen: Was befindet sich eigentlich unter dem Plan?

Was es mit der ehemaligen „Moosburg“, der die Stadt wohl ihren Namen zu verdanken hat, auf sich hat, weiß niemand so recht. Angeblich soll sie dort gestanden haben, wo heute der Plan ist, zwischen Kastulusmünster und Bücherei. Ein Großbrand vernichtete im Jahr 1207 das gräfliche Schloss und große Teile der Kastuluskirche. Über das abgebrannte Schloss, die Moosburg, ist bis heute wenig bekannt. Es gibt keine Dokumente oder Bilder, die den Standort nachweisen – die Brände, die die Dreirosenstadt in den Jahren 1702 und 1865 heimsuchten, haben alles vernichtet.

Ein Beleg dafür, dass die Burg neben dem Kastulusmünster gestanden haben muss, könnte das Buch „Geschichte der Stadt Moosburg“ von Ludwig Weh sein, das Heimatmuseumsleiter Bernhard Kerscher archiviert hat. Darin heißt es über den Brand und das Kastulusmünster: „Da aber mit des Schicksals Mächten kein ewiger Bund zu flechten war, ereignete sich 1207 in der benachbarten Burg der Grafen ein verheerender Brand, der nicht nur deren Gebäude einäscherte, sondern auch das neu geschaffene Gotteshaus stark beschädigte.“

Ludwig Weh, der sich intensiv mit der Historie der Dreirosenstadt auseinandersetzte, schreibt darin weiter: „Um die Wiederholung eines Brandunglücks durch ein Nachbargebäude auszuschließen, überließ Graf Karl II (…) den seit jeher angestammten Platz des Uradelshofes der Kirche. Der Platz der abgebrannten Burg und des Burgstalles wurde eingeebnet, wodurch der Name Plan geprägt wurde. An die Übergabe des Platzes knüpfte Graf Konrad die Bedingung, dass die gesamte Fläche nicht mehr bebaut werden dürfe.“

Nach dem Brandunglück bauten die Grafen ihr neues Schloss an der Stelle des ehemaligen Amtsgerichts, das ein Gebäude von „ansehnlicher Größe“ gewesen sein muss. 1281 erlosch das Grafengeschlecht der Moosburger. Dessen Wappen mit zwei roten und einer weißen Rose ziert jedoch bis heute die Stadt. Schloss Asch, damals noch am Rand außerhalb der Moosburger Siedlung gelegen, hat wohl als einziges Bauwerk in adeligem Besitz seit dem Jahr 1084 überlebt.

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Schloss Asch hat früher noch am Rand außerhalb der Moosburger Siedlung gelegen und wohl als einziges Bauwerk in adeligem Besitz seit dem Jahr 1084 überlebt. © Karl A. Bauer 

Nun kommen die Archäologen ins Spiel: Was ist bislang über die ehemalige Burg auf dem Plan bekannt? Vor rund drei Jahren hat die Stadt auf der Fläche Radarmessungen veranlasst, um herauszufinden, ob es unter dem Plan historisch und archäologisch wertvolle Funde gibt, bevor die Maßnahmen zur Umgestaltung des Plans in Angriff genommen werden.

In einem Schreiben des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege von Januar 2015 zur Vorplanung von Referatsleiter Dr. Jochen Haberstroh an Bürgermeisterin Anita Meinelt heißt es: „Das Vorhaben ‚Vorplanung zur Sanierung und Aufwertung des Platzes Auf dem Plan‘ (…) berührt im Zentrum des historischen Moosburg das eingetragene Bodendenkmal ‚Untertägige mittelalterliche und frühneuzeitliche Siedlungsteile des historischen Stadtkerns von Moosburg‘.“ Dieser knappe Listentext trüge der Bedeutung des Denkmals jedoch nur ungenügend Rechnung, wie Haberstroh formulierte. Wie wiederholte Grabungen der letzten Jahre im unmittelbaren Umfeld des St. Kastulusmünsters wie auch im Kircheninneren gezeigt hätten, sei an diesem Ort mit einer außerordentlich dichten und besonders gut erhaltenen Überlieferung im Boden zu rechnen, so Haberstroh. Diese reiche mindestens bis in die Zeit der ersten urkundlichen Erwähnungen Moosburgs ins Jahr 770 zurück.

„Die archäologischen Zeugnisse tragen damit der besonderen topografischen Gunstlage des Ortes am Zusammenfluss von Amper und Isar Rechnung“, heißt es weiter. Für die überregionale und sogar landesweite Bedeutung des Platzes als Bodendenkmal sei vor allem die Lage südlich des Kastulusmünsters entscheidend, wo höchstwahrscheinlich die Klostersiedlung des 8. Jahrhunderts zu erwarten sei. „Nachdem Überprägungen des Platzes (…) aus jüngster Zeit kaum bekannt sind, ist (…) mit außergewöhnlich gut erhaltenen archäologischen Befunden zu rechnen“, schlussfolgert Dr. Jochen Haberstroh in dem Dokument.

Das Ergebnis von Bohrkernanalysen am Plan im Zuge der Aufwertung des Platzes erreichte die Stadtverwaltung im Januar 2016. „Seit langem, wohl seit Jahrhunderten ist der Plan ein Platz, von dem aus städtischer Erinnerung keine wesentliche Bebauung oder Umgestaltung bekannt ist“, schreibt der Moosburger Archäologe Dr. Martin Pietsch, ebenfalls Referatsleiter beim Landesamt für Denkmalpflege, in diesem Dokument. „Über den gesamten Platz sind anthropogen beeinflusste Schichten angetroffen worden“, so Pietsch. Daher müsse mit einer intensiven Bebauung aus mittelalterlicher und vorgeschichtlicher Zeit gerechnet werden. Diese sei stellenweise von spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Planierschichten überdeckt.

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Ein Übersichtsplan zeigt den Stadtplatz „Auf dem Plan“ in Moosburg. © Bayerische Vermessungsverwaltung

Vom Landesamt für Denkmalpflege ging daher folgende Empfehlung aus: „Da unsere Vermutung einer flächigen Bebauung (…) Auf dem Plan bestätigt wurde, rät das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (…) von flächigen und tieferen Bodeneingriffen dringend ab. Solche flächigen und tiefgreifenden Bodeneingriffe wie sie für den Bau einer Tiefgarage nötig werden, würde das gesamte Bodenarchiv des Platzes zerstören. Einer solchen Planung könnte das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege nicht zustimmen.“

Sollten Eingriffe von auch nur 80 Zentimetern für die Frosttiefe auf dem gesamten Platz angestrebt werden, könnten bei archäologischen Sicherungsgrabungen leicht Kosten von 300.000 Euro entstehen, wenn archäologische Befunde direkt unter dem Asphalt anstünden, erläutert Pietsch.

Nach Artikel 1 des Denkmalschutzgesetzes müsse stets das Ziel eine Vermeidung von Bodeneingriffen sein, denn jede Ausgrabung zerstöre das archäologische Bodenarchiv unwiederbringlich. Für die Denkmalpflege wiege der Erhalt des Bodendenkmals, wenn dessen Wert für den Laien auch nicht erkennbar sei, höher als der Erkenntnisgewinn durch eine archäologische Ausgrabung.

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Im Rahmen der Umgestaltung des Plans wurde das Starnberger Ingenieurbüro „GEOLOG“ von der Stadt im Vorfeld jeglicher Eingriffe mit archäologischen Erkundungen mittels Georadarmessungen beauftragt. Historische Überlieferungen deuten darauf hin, dass sich die ehemalige Stadtburg und Siedlungsstrukturen im Bereich des Platzes befinden. Das Bild zeigt den Grundriss für einen Tiefenbereich von etwa 0,75 Metern. Die Farbwerte stellen die Stärken der Reflexionsamplituden dar, mittlere (hellblau/gelb) und hohe Reflektivität (orange/rot) entspricht somit vermuteten Fundamentstrukturen im Untergrund. © Stadt Moosburg 

„Auch für den weiteren Weg können wir Testgrabungen (…) nicht empfehlen. Sie müssten, um zu belastbaren Aussagen für den gesamten Platz zu kommen, so groß sein, dass sie für die Stadt ein zeitlich und finanziell unkalkulierbares Risiko darstellen“, so Pietsch.

Einer Tiefgarage unter dem Plan, über die aktuell viel debattiert wird, erteilt die Denkmalpflege damit eine klare Absage. Und auch mit einer ausführlichen Aufarbeitung der Geschichte über die ehemalige Stadtburg dürfte es angesichts der angespannten Haushaltslage Moosburgs in der nächsten Zeit schwierig werden.


KOMMENTAR

Öffnet die Tunnel!

Moosburg sollte seine Stadtgeschichte aufarbeiten

Moosburg eine Tunnelwelt. Und dann auch noch die ehemalige „Moosburg“? Die meisten Moosburger wissen wahrscheinlich nicht einmal, dass die Stadt dieser wohl ihren Namen zu verdanken hat. Allein der Gedanke an all die unterirdischen Gänge, die möglicherweise unter uns liegen, macht neugierig. Warum weiß man bislang so wenig über diese Tunnelverbindungen und die alte Burg und warum wurde dies nie aufgearbeitet ? Dieser Teil der Stadtgeschichte ist viel zu interessant, als dass man ihn ignoriert, unter sich begräbt.

Andere Städte machen es bereits vor: In Zeitz in Sachsen-Anhalt oder auch in Furth im Wald wurden einige Tunnelgänge bereits für den Tourismus geöffnet, die Geschichte wird dort dokumentiert, man kann ihr nachspüren. Das Echo der Gruppe „Moosburg ganz anders“ zeigt: Die Moosburger sind interessiert an ihrer Herkunft, ihrer Heimat. Sie wollen mehr darüber erfahren.

Ein Tunnelsystem von solch historischem Wert und auch die Offenlegung der Erkenntnisse über die Burg könnte Moosburg für viele Menschen aus dem Umland und Touristen attraktiver machen. Statt eine Marketingaktion nach der anderen aus dem Boden zu stampfen und den Plan verschönern zu wollen, sollte Moosburg sich vielleicht auch mal seiner Geschichte widmen und dieser mehr Aufmerksamkeit schenken. Denn darüber ist bislang viel zu wenig bekannt.

Moosburg – eine Tunnelwelt ?

Matthias Gabriel erforscht mit „Moosburg ganz anders“ die Untergründe der Dreirosenstadt

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Der Kupferstich von Matthäus Merian zeigt die Stadt Moosburg im Jahr 1644. Alle Zeit überdauert haben die zwei Kirchtürme von Kastulus und Johannes auf dem Plan.

Wie hat Moosburg früher ausgesehen, wer hat dort gelebt? Diesen Fragen geht Matthias Gabriel aus Moosburg in seiner Freizeit nach. Im Gespräch mit der Moosburger Zeitung im Pöschlbräu schweift sein Blick über den historischen Plan. Hier hat alles angefangen. Dort, im Bierkeller der ehemaligen Brauerei, haben Alfred, Matthias und Marko den ersten Tunnel entdeckt. Mit einem meterlangen Endoskop haben sie sich einen Weg durch den Schutt gebahnt und den Anfang eines unterirdischen Gangs ausfindig gemacht. Das alles dokumentiert per Video, der erste Beweis: Da muss etwas sein.

Als „Urban Explorer“ sind Matthias Gabriel, Alfred Bold und Marko Maier seit Dezember 2015 in Moosburg und Umgebung unterwegs. Mit ihren Kameras im Gepäck erforschen sie sogenannte Lost Places, verlassene Orte, Häuser und Ruinen innerhalb und außerhalb der Stadt, die sonst für niemanden zugänglich sind. Es dauerte nicht lange, bis aus dem Hobby mehr wurde als nur Fotografieren. Seit Monaten sind die drei auf der Suche nach Moosburgs Untergründen und Geheimnissen. Die Moosburger kennen sie mittlerweile, viele haben ihre alten Keller bereits für sie geöffnet. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Hobbyfotografen auf ihrer Internetseite „Moosburg ganz anders“ – mit erstaunlichem Interesse aus der Bevölkerung. Nun verbinden sich allmählich die Hinweise von Einwohnern mit den Nachforschungen: In Moosburg muss es ein Tunnelsystem gegeben haben.

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Matthias Gabriel im Tunnel zwischen den Geschäften Bengl und Hudler.

„Als Kind hat mich das alles noch gar nicht so interessiert“, erzählt Matthias Gabriel. Jetzt holt ihn die Geschichte seiner Heimatstadt ein. In jedem alten Haus, Keller oder einer Mauer sieht er etwas, malt sich aus, was früher dort einmal gewesen sein könnte. Die Vergangenheit hat hier an vielen Flecken ihre Spuren zurückgelassen – und trotzdem bleibt vieles bislang ein Rätsel.

Die Geschichte Moosburgs geht zurück bis ins Jahr 770, als die damalige Klostersiedlung „Mosabyrga“ erstmals urkundlich erwähnt wurde. Mit ihrem natürlichen Schutz auf einer Landzunge zwischen Isar und Amper galt Moosburg schon früh als aufstrebende Region. Funde aus der Altstadt wiesen die Anwesenheit von Menschen in vor- und frühgeschichtlicher Zeit nach, und auch Grabungen im Stadtgebiet haben die frühe Bedeutung der Gegend bestätigt.

Der Geschichte nach brachten die Mönche Albin und Rhenobot um 800 die Reliquien des heiligen Kastulus nach Moosburg. 1021 wurde das Benediktinerkloster aufgelöst und ein Chorherrenstift gegründet. Ein Großbrand vernichtete 1207 das gräfliche Schloss und große Teile der Kastuluskirche, die dennoch 1212 geweiht wurde. 1281 erlosch das Grafengeschlecht der Moosburger. Dessen Wappen mit zwei roten und einer weißen Rose ziert jedoch bis heute die Stadt.

Über das abgebrannte Schloss, die Moosburg, gibt es heute nur Sagen und Gerüchte. Es wird vermutet, dass sie dort gestanden haben muss, wo heute der Plan ist, vor dem Kriegerdenkmal. Dies liege nahe, da das Münster ebenfalls von dem Brand betroffen war. Doch es gibt keinerlei Dokumente oder Bilder, die den Standort nachweisen – die Brände in den Jahren 1702 und 1865 haben alles vernichtet, auch das Archiv. Nachdem die Burg abgebrannt war, wurde der Platz platt gemacht, es sollte nie wieder etwas darauf gebaut werden, erzählt Gabriel.

Das Spätmittelalter war eine Blütezeit für Moosburg: 1329 übernahm man den Landgerichtssitz vom Amt Inkofen, von Mainburg, Wolnzach und sogar Obersüßbach mussten die Menschen damals bis nach Moosburg zum Gericht reisen. 1331 erhielt Moosburg nach der historischen Schlacht von Gammelsdorf schließlich das Stadtrecht.
Mittlerweile haben Gabriel und seine Freunde sich Stück für Stück vorgearbeitet in Moosburg. Viele eingesessene Bürger, deren Familien schon seit Generationen ein und dasselbe Haus in Moosburg bewohnen, haben ihnen ihre Keller gezeigt, ihnen entscheidende Hinweise gegeben. Inzwischen waren die drei in über zehn Kellern, darunter so historisch wertvolle wie der im Staudinger oder im Kaplanshaus. Einige Vorträge haben die drei Hobbyfotografen bereits über ihre Erkenntnisse gehalten, und sogar der BR war schon mit „Moosburg ganz anders“ unterwegs.

Das alles unter großem Interesse der Bevölkerung: Allein die Website http://www.moosburganders.blogspot.de wurde über 35 000 Mal aufgerufen. Die Moosburger wollen mehr wissen über ihre Stadt, ihre Herkunft, ihre Heimat. Und die Indizien verdichten sich: „Wir haben in einer Karte von Moosburg knapp 20 Verbindungen eingezeichnet, bei denen wir vermuten, dass es hier einen Tunnel gibt“, berichtet Gabriel. So soll es Verbindungen unter dem Plan, zwischen den heutigen Geschäften Bengl und Hudler sowie vom Amtsgericht zum Münster gegeben haben. Fast die ganze Altstadt müsse demnach unterirdisch miteinander verbunden sein.

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In der Karte von Moosburg sind alle Tunnelverbindungen eingezeichnet, bei denen Matthias Gabriel und seine Freunde Marko und Alfred davon ausgehen, dass sie existieren.

Nur, warum ist bislang so wenig darüber bekannt? Zum einen sicher, weil viele Dokumente mit den Bränden vernichtet wurden. Zum anderen, vermutet Gabriel, weil viele Stadträte und Moosburger nicht wollen, dass all dies ans Tageslicht gerät. Sobald etwas historisch Wertvolles entdeckt werde, würden Denkmalschutz und Archäologen anrücken, die der Sache nachgehen wollen. Zudem kostet die Aufdeckung eines solchen Tunnelsystems, ähnlich wie es beispielsweise bereits in Furth im Wald gehandhabt wird, eine Menge Geld.

Was Gabriel auch umtreibt, sind die ehemaligen Brauereien in Moosburg. 14 soll es davon einmal gegeben haben. „In München gab es früher von den Brauereien unterirdische Verbindungen zur Isar, um das Eis für die Kühlung zu benutzen“, erzählt Gabriel. Es sei anzunehmen, dass dies auch in Moosburg auf diese Art und Weise praktiziert wurde.

Eine weitere große Tunnelverbindung soll es wohl zwischen Schloss Isareck in Wang und Moosburg gegeben haben. „Aus sicherer Quelle“ weiß Gabriel, dass dort vor einigen Jahren bei Bauarbeiten an der Thalbacher Straße sogar der Anfang eines Tunnels entdeckt worden sei, dies jedoch verheimlicht worden sei, um dem Denkmalschutz zu entkommen. Ein Tunnel, der unter die Amper führt – dies wäre für damalige Verhältnisse ziemlich fortschrittlich gewesen.

Gabriel ist sich sicher: „Irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, dass wir den ersten Tunnel öffnen. Eine Zusage von Privatbesitzern haben wir hierfür sogar schon. Dann wird sich zeigen, was dran ist an den Gerüchten. Wenn sich alles als ein Luftschloss entpuppt, haben wir immerhin das Geheimnis gelüftet und die These widerlegt. Aber wenn nicht . . .“

Info
Der nächste Vortrag von „Moosburg ganz anders“ findet am Freitag, 13. Oktober, um 19.30 Uhr in der VHS Moosburg statt. Der Eintritt ist frei.

Hier geht’s nochmal zum Originalartikel: http://www.idowa.de/inhalt.verlorene-untergruende-moosburg-eine-tunnelwelt.0470382a-5443-4916-b001-bc0cb8bc522a.html

http://plus.idowa.de/zeitungstitel/moosburger-zeitung/artikel/2017/06/16/moosburg-eine-tunnelwelt.html

81 Kitze mit Drohne vor dem grausamen Mähtod gerettet

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© Rupprecht Walch

Jägern aus dem Nördlinger Ries ist eine spektakuläre Rettungsaktion gelungen: Mit Hilfe einer Drohne konnten sie in den vergangenen zwei Wochen 81 Rehkitze vor dem sicheren, qualvollen Tod bewahren. Denn die Grasmahd zwischen Ende April und Mitte Juni überlebt kaum ein Tier, das im Feld Schutz sucht.

Bereits im vergangenen Jahr sind die Berufsjäger um Rupprecht Walch aus dem schwäbischen Ries durch eine Vorführung darauf aufmerksam geworden, mittels Drohne und Wärmebildkamera die gefährdeten Rehkitze im Feld aufzuspüren und rechtzeitig vor dem Mähtermin zu retten. Heuer konnten sie den Landwirten das Angebot machen, die Technik auch im eigenen Gebiet zu nutzen und für sie die Rehkitze ausfindig zu machen. Eigentlich sind die Landwirte dafür selbst verantwortlich, sie machen sich nach dem Tierschutzgesetz sogar strafbar, wenn sie den Tod der kleinen Rehe bei der Mahd billigend in Kauf nehmen. In der Praxis ist es für die meisten Landwirte jedoch nahezu unmöglich, all ihre Feldflächen genau abzusuchen. Zu groß ist der Zeitdruck, zu schnell die Maschinen – oft gefahren von Lohnunternehmern.

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© Rupprecht Walch

Jäger unterstützen traditionell die Bauern und stellen kurz vor dem Mähtermin auf den Wiesen Wildscheuchen auf, die dafür sorgen sollen, dass das Muttertier den Nachwuchs in der Nacht vor der Mahd aus den Flächen holt. Eine Methode, die leider nicht immer funktioniert. Hundertausende Jungtiere werden laut Schätzungen Jahr für Jahr Opfer der Mähwerke. Nicht nur junge Rehe – auch Hasen, Rebhühner und seltene Bodenbrüter. „Wenn ein Rehkitz erfasst wird, werden die Beine meist weggeschnitten, sodass es nicht mehr weglaufen kann und stirbt“, erklärt Berufsjäger Rupprecht Walch aus Oettingen.

Dies kann durch den Einsatz moderner Technik verhindert werden. Mit einer Flugdrohne und Wärmebildkamera können die Rehkitze im Feld rasch gefunden und so noch vor der Mahd mit Kartons aus den Wiesen herausgetragen werden. Sobald dies geschehen ist, benachrichtigen die Jäger den zuständigen Landwirt, damit dieser den betreffenden Feldabschnitt mähen kann. In der Zwischenzeit werden die Rehkitze in einem ungefährdeten Nachbargrundstück ausgesetzt. Die Mutter findet sie rasch, wenn sie ihre Rufe hört.

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© Rupprecht Walch

Um die Rehkitze zu retten, mussten die Jäger in den vergangenen Wochen schon früh aufstehen. Gegen vier Uhr morgens muss die Drohne zum Suchflug starten. Das Zeitfenster, in dem die Wärmebildkamera den „Jägerpiloten“ Dieter Hampl und Berufsjäger Rupprecht Walch zuverlässig die Kitze anzeigt, ist kurz. Schon gegen acht Uhr ist die Bodentemperatur so hoch, dass die Erkennung des kleinen Wildkörpers unmöglich ist. Der Einsatz der beiden Jäger und ihrer Helfer hat sich gelohnt: In den betreffenden Gebieten konnten bereits 81 Rehkitze in Sicherheit gebracht werden. „Es wäre wünschenswert, wenn in Zukunft auch in anderen Regionen diese Technik eingesetzt werden würde. So kann den Tieren viel Leid erspart werden“, sagt Walch.

Die Möglichkeit, die über 12.000 Euro teure Drohne für die Rettung der Tiere zu nutzen, haben die Landwirte und die Jäger einem Jagdhundeverein zu verdanken. Der Verein für Deutsche Wachtelhunde (Landesgruppe Baden-Württemberg Nord) nutzt die Jagdgebiete rund um Oettingen seit vielen Jahren, um dort seine Hundeprüfungen durchzuführen. Indem er seine Drohne zur Verfügung stellt, revanchiert sich der Verein nun bei den Rieser Jagdpächtern für ihre Unterstützung und leistet so nicht nur durch den Einsatz guter Jagdhunde, sondern auch durch die moderne Technik einen wertvollen Beitrag zum Tierschutz.

In Facebook hat die Aktion der beiden Jäger viel Zuspruch erfahren: Ein Beitrag mit Bildern der Kitzrettung auf dem Profil von Rupprecht Walch am Montag wurde bereits über 8.000 Mal mit einem Like versehen und über 6.000 Mal geteilt.

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Mit einer Drohne und einer Wärmebildkamera gelang es den Jägern, die Rehkitze noch rechtzeitig vor der Grasmahd aus dem Feld zu holen. © Rupprecht Walch

Hier geht’s zum Originalartikel: http://www.idowa.de/inhalt.noerdlinger-ries-81-kitze-vor-dem-grausamen-maehtod-gerettet.f0df654f-3f36-4cf1-bb22-ee97462892ce.html

Hebammen befürchten Aus des Belegsystems

Krankenkassen wollen Bezahlung ändern – Verbände und Betroffene warnen vor Kollaps der Geburtshilfe

Karin Mittermeier-Ruppert ist freiberufliche Beleghebamme am Klinikum St. Elisabeth in Straubing. Seit 7 Uhr morgens ist sie heute im Dienst. Trotzdem wirkt sie gegen Mittag noch aufgeweckt und frisch. Sie hält die Stellung auf der Station, begrüßt schwangere Frauen zu ihrem Termin, bespricht sich mit Kolleginnen, geht Patientenakten durch und führt nebenbei noch Telefonate. All das geschieht irgendwie parallel, in einer routinierten und bestimmten Art. Und trotzdem freundlich und angenehm.

Karin Mittermeier-Ruppert misst bei einer Hochschwangeren die Herztöne des Kindes.

Karin Mittermeier-Ruppert misst bei einer Hochschwangeren die Herztöne des Kindes.            © Laura Schindler

Was beim ersten Hinsehen nicht auffällt: Mittermeier-Ruppert sorgt sich um die Zukunft ihres Berufs. Die Pläne des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV), die Vergütung von Beleghebammen grundlegend zu ändern, bereiten ihr Kopfschmerzen. Demnach wollen die Krankenkassen durchsetzen, dass Beleghebammen im Schichtdienst nur noch zwei Frauen gleichzeitig betreuen dürfen. Alle darüber hinaus erbrachten Leistungen würden den Hebammen dann nicht mehr von den Krankenkassen erstattet. „Im Idealfall kümmert sich jede Hebamme nur um eine Gebärende, doch jeder weiß, dass sich Geburtstermine nicht planen lassen und Kinder manchmal gleichzeitig auf die Welt kommen wollen. Diese Beschränkung ist also völlig unrealistisch“, so Mittermeier-Ruppert.

Nur noch zwei Frauen gleichzeitig betreuen

Eine kurze telefonische Beratung, eine Hilfeleistung bei Beschwerden sowie jede andere Tätigkeit bei weiteren Schwangeren wären mit den gesetzlichen Krankenkassen im selben Zeitraum nicht mehr abrechenbar. „Die Krankenkassen würden die Vergütung der erbrachten Leistung entweder auf Kosten der Hebammen, der Kliniken oder der Versicherten (als Selbstzahlerin) einsparen“, schreibt der Deutsche Hebammenverband (DHV) in seinem Argumentarium gegen die geplanten Forderungen.

„Allein heute morgen habe ich innerhalb von drei Stunden zehn Frauen mit unterschiedlichen Anliegen behandelt. Im Falle einer 1:2-Betreuung hätte ich acht von ihnen wieder heimschicken und abweisen müssen, weil ich nicht mehr als zwei Schwangere gleichzeitig behandeln dürfte“, sagt Karin Mittermeier-Ruppert. Für ein telefonisches Beratungsgespräch könne sie sieben Euro abrechnen, bei etwa 15 Anrufen pro Stunde sei dies viel Geld, das ihr verloren ginge. Und Geld, das die Hebammen dringend brauchen. „Das lange Zeit an sich bewährte System ist in den vergangenen Jahren für Beleghebammen zunehmend unwirtschaftlich geworden. Dies liegt an der geringen Grundvergütung und den überproportional stark angestiegenen beruflichen Kosten“, so der DHV. Die Hebammenverbände forderten deshalb eine Erhöhung der Vergütung in den Verhandlungen mit den gesetzlichen Krankenkassen. Da man sich dort aber nicht einigen konnte, muss nun voraussichtlich im Mai eine anberufene Schiedsstelle über die Forderungen beider Seiten entscheiden.

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Viele Hebammen befürchten, dass sich die Versorgung schwangerer Frauen durch die neuen Forderungen des GKV-Spitzenverbands verschlechtern wird.

Der GKV-Spitzenverband kann sich die Aufregung der Hebammen nicht erklären. Im Gegenteil: „Wir wollen die Arbeit der Beleghebammen künftig sogar besser bezahlen“, betont die stellvertretende Pressesprecherin Ann Marini. Für jene freiberuflichen Hebammen, die Geburten in Kliniken betreuen, will er die Vergütung um bis zu 30 Prozent erhöhen. „Wie der Deutsche Hebammenverband dieses Angebot als massiven finanziellen Einschnitt auslegen kann, ist nicht nachzuvollziehen“, so Marini.

Spitzenverband will Qualität verbessern

Bisher erhalte eine Beleghebamme für die Beleggeburt (bis zu acht Stunden) im Schichtdienst tagsüber 271,94 Euro. Künftig soll sie für eine Geburt, die bis zu sechs Stunden dauere, 331 Euro bekommen. Sofern ein Schichtwechsel notwendig werde, könne jede Hebamme zukünftig die Zeit in Rechnung stellen, in der sie die Frau während der Geburt betreut hat. Mit seiner Forderung der 1:2-Regelung wolle der Spitzenverband die Qualität steigern und erreichen, dass die Schwangere und das Neugeborene besser betreut werden. Marini: „Bislang hatten dies auch die Hebammenverbände selbst gefordert. Jetzt scheinen sie davon abzurücken und verweisen sogar auf eine vermeintliche Gefahr für die Versorgung.“ Die Pressesprecherin argumentierte, dass die 1:2-Betreuung nur auf die Akutphase (eine Stunde vor und drei Stunden nach der Geburt) zutreffe. Angesprochen auf einen möglichen Notfall, in dem mehr als zwei Schwangere behandelt werden müssten, verwies Marini auf das zuständige Krankenhaus, das hier einspringen müsse.

Karin Mittermeier-Ruppert ist erschöpft und bald am Ende ihrer Kräfte: „Ich bin müde, es macht mich mürbe. Ständig werden uns Hebammen weitere Steine in den Weg gelegt, wir wollen doch einfach nur unsere Arbeit machen!“ In den letzten Tagen und Nächten hat die Mutter von zwei Kindern viele Briefe geschrieben, unter anderem an den Landtag und an einen Bundestagsabgeordneten, um möglichst viele Menschen zu mobilisieren und auf das Thema aufmerksam zu machen. Freiberufliche Beleghebammen hätten es angesichts der immer weiter steigenden Prämien für die Haftpflichtversicherung ohnehin schon schwer genug. Mittermeier-Ruppert versteht, wenn einige von ihnen bereits resigniert haben und ihren Beruf niederlegen möchten. „Es wird Zeit, dass endlich Ruhe einkehrt.“

Auch eine Beleghebamme aus Landshut, die nicht namentlich genannt werden möchte, wäre von den Forderungen betroffen. „Wenn die Pläne so umgesetzt werden, werde ich definitiv meinen Beruf niederlegen“, sagt sie. „Setzt der GKV-Spitzenverband seine Forderungen durch, müssen weitere geburtshilfliche Abteilungen vermutlich schließen. Noch mehr Hebammen werden ihren Beruf niederlegen. Die Leidtragenden sind Familien, denn sie werden alleine gelassen. Bayernweit würde das gravierende Einschnitte bei der Geburtshilfe bedeuten“, schreibt sie in einem Brief an die Presse.

Hebammen warnen vor Kollaps der Geburtshilfe

„Es macht den Anschein, dass der Spitzenverband eine schlechtere, sparsamere, teurere und unflexiblere Versorgung für Frauen durchsetzen will. Das bewährte System der freiberuflichen Beleghebammen würde durch diese Regelungen abgeschafft“, schreiben Sarah Pfundheller und Simone Adlhoch von der Klinik St. Hedwig in Regensburg im Namen der Oberpfälzer und niederbayerischen Beleghebammen. Alternativen wie eine Festanstellung der Hebammen seien für viele kleinere Kliniken aufgrund ihrer finanziellen Situation nicht realistisch. Die Hebammen befürchten, dass diese Kreißsäle geschlossen werden: „Die Folge wäre eine weitere Zentralisierung der Geburtshilfe, immens lange Anfahrtszeiten und eine damit verbundene schlechtere Versorgung der Frauen und Babys.“

Am Dienstag veranstaltet der Bayerische Hebammen-Landesverband ein Treffen für seine Mitglieder in München, um über die aktuelle Situation zu informieren. Am Samstag, 8. April, informieren Hebammen aus verschiedenen Kliniken von 10 bis 18 Uhr an einem Stand auf dem Neupfarrplatz in Regensburg die Bevölkerung.


 Kommentar

Vermessene Forderung

Kaum ein Kind kommt ohne Hebamme auf die Welt. Die Hebamme ist der erste Mensch, der das Neugeborene in seinen Händen hält, quasi Bindeglied zwischen dem Baby und seinen Eltern. In der Zeit vor und nach der Schwangerschaft ist die Hebamme ein wichtiger Begleiter der Frau, beantwortet Fragen, ist zur Stelle bei Beschwerden, klärt auf bei Sorgen und schenkt Vertrauen. Es ist nicht auszudenken, was wir ohne Hebammen machen würden.

Mit den neuen Forderungen der Krankenkassen wird den Beleghebammen nur ein weiterer Stein in den Weg gelegt, was – falls die Pläne umgesetzt werden – dafür sorgen wird, dass noch mehr Hebammen ihren Beruf niederlegen. Eine 1:2-Betreuung mit der jetzigen Kapazität an Hebammen ist nicht nur unrealistisch, sondern auch impraktikabel im Alltag.

Geburten und Notfälle sind nicht planbar, deshalb ist es vermessen zu fordern, dass sich eine Hebamme nur um zwei Schwangere gleichzeitig kümmern darf. Die dritte, vierte oder fünfte bezahlt dann entweder aus eigener Tasche, wartet – falls vorhanden – lange auf eine Rufbereitschaft oder muss gleich in ein anderes, weit entferntes Krankenhaus fahren. Leidtragender ist am Ende nicht nur die Hebamme, die weniger verdient, sondern auch die schwangere Frau. Um eine qualitativ bessere Betreuung der Schwangeren zu garantieren, müssten zuallererst bessere Rahmenbedingungen für die Beleghebammen geschaffen werden.

Erholungs- und Freizeitpark für Moosburg

Neugestaltung des Aquaparks mit Wakeboardanlage, neuem Kiosk und Sanitäranlagen

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Der Aquapark von oben beim Utopia Island Festival 2016. Im linken hinteren Teil des Badesees soll die Wakeboardanlage installiert werden.    Quelle: Laura Schindler

Der Aquapark wird bald nicht wiederzuerkennen sein: Die Klangfeld GmbH, die den beliebten Badesee seit letztem Sommer betreibt, hat große Pläne für das Areal. Durch eine neue Kioskfläche mit Biergarten, Sanitäranlagen und einer Wakeboardstation will man das Freizeitangebot am See steigern.

Anfang Juli wurde bekannt, dass der Aquapark den Besitzer wechselte: Isarkies hatte das Naherholungsgebiet damals für einen Millionenbetrag an die Firma V.I.P.’s Immobilien verkauft. Letztere ist Partner der Klangfeld GmbH, die unter anderem das jährlich im August stattfindende Utopia Island Festival am Aquapark veranstaltet. Im Jahr 2016 haben sich die beiden Firmen zur „Evago-Group“ zusammengeschlossen, die nun Dach für mehrere Tochterunternehmen wie Klangfeld, die Bümo Event-Logistik GmbH oder Mojo Barriers ist.

Evago ist auf Eventmanagement, Veranstaltungstechnik, Immobilien und Marketing spezialisiert. Die Firma beschäftigt über 100 Mitarbeiter in sechs verschiedenen Ländern. Im Fall des Aquaparks ist die Tochterfirma Evago Immobilien (ehemals V.I.P.’s Immobilien) Eigentümer und Bauherr, Klangfeld Betreiber und Projektleiter.
Für den Aquapark hat Klangfeld nun große Pläne: Nicht nur die Liegeflächen, Sanitäranlagen und das Kioskareal sollen erneuert und somit schöner gestaltet werden, man will außerdem eine Wakeboardanlage am See errichten. Im angrenzenden, geplanten Servicegebäude der Freizeitanlage soll zudem die Wasserwacht mit einem neuen Vereinsheim Platz finden.

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Das Utopia Island Festival 2016 am Aquapark.   Quelle: Patrick Wolf

Mit der Umgestaltung will Klangfeld die Qualität und Attraktivät am Aquapark steigern, man will das Potenzial des türkisblauen Badesees voll ausschöpfen. „Dabei soll für alle Generationen etwas dabei sein: für Kinder ein toller Spielplatz, für junge Familien die neue Kioskanlage mit Biergarten und für die Jugendlichen etwa das Freizeitangebot mit der Wakeboardanlage“, so Lorenz Schmid, Geschäftsführer von Klangfeld. Bisher sei die Liegewiese sehr abgenutzt und nicht gut gepflegt gewesen, noch dazu fehlte es an ausreichend Sanitäranlagen, Umkleidekabinen und Schattenplätzen. Dies soll sich nun ändern, betont Schmid.

Bei den Planungen wurde großer Wert darauf gelegt, die Interessen aller am Aquapark beteiligten Vereine und Nutzer zu berücksichtigen. So hat man sich auch lange mit Fischerverein und Wasserwacht besprochen, um einen guten Kompromiss zu finden. „Wir wollen jedem ‘seinen See’ weiterhin lassen. Ich denke, das Endergebnis ist uns überraschend gut gelungen“, so Lorenz Schmid.

Für die neue Wakeboardanlage hat man sich keinen geringeren als Doppelweltmeister Dominik Gührs mit an Bord geholt. Der Wakeboarder aus München wird von Red Bull gesponsert und reist durch seinen Sport momentan um die ganze Welt. „Dominik wäre mit seiner Erfahrung natürlich ein super Aushängeschild für unsere Anlage und kann sicher sowohl für Anfänger als auch für Profis einen tollen Parcours entwickeln“, freut sich Schmid. Viele wassersportbegeisterte Jugendliche hätten bereits bei Klangfeld angerufen, da sie gerne einen Wakeboard-Verein gründen würden, berichtet Schmid: „Der Bedarf ist auf alle Fälle da.“ Um den Lärm der Anlage mache er sich keine Gedanken: „Die Autobahn nebendran ist noch deutlich lauter.“ Auch Platz zum Schwimmen für die regulären Badegäste sei neben den Anlagen, die im hinteren rechten Teil des Sees entstehen sollen, noch reichlich vorhanden. Angrenzend zur Wakeboardanlage soll ein Servicegebäude mit Essenskiosk, der Verwaltung des Sees, Fitness- und Physioräumen, einem Sanitätsraum und einem Badeshop gebaut werden. In dem Gebäude soll auch die Wasserwacht Moosburg integriert werden, geplant sind ein Bootshaus, ein Büro für den Vorstand, Behandlungsräume sowie eine Aussichtsterrasse. Insgesamt wolle man viel mit Holz und Glas arbeiten, sodass sich das Gebäude gut in die Landschaft einfüge, so Schmid.

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Die alte Kioskanlage am Aquapark soll abgerissen werden.   Quelle: Laura Schindler

Die neue Kioskanlage soll ähnlich wie die Haager Schlossallee mit getrennten Kioskhäuschen, in denen regionale Anbieter Fisch, Fleisch oder Bäckereiwaren verkaufen, aufgebaut werden. Mit einem Biergarten soll dort ein schönes Ambiente geschaffen werden. Ganz neu soll es außerdem für Spaziergänger sowie Rettungsdienste einen Wirtschaftsweg rund um den Aquapark mit über zwei Kilometern Länge geben. Die Umgestaltung des Badesees läuft derzeit unter dem Projektnamen „Rosenpark“ – man will vom alten Namen „Aquapark“ weg, etwas Neues kreieren und nicht das Alte damit assoziieren. Ob der Badesee auch nach den Bauarbeiten den Namen „Rosenpark“ tragen wird, ist noch ungewiss. „Denkbar wäre es, da es zur Dreirosenstadt Moosburg gut passen würde“, so Lorenz Schmid.

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Schilder am Eingang des Aquaparks weisen bereits auf die Bauarbeiten hin.

Der Baubeginn für Kioskfläche, Sanitäranlagen und Wirtschaftsweg soll bald an den Start gehen, damit alles möglichst noch vor der neuen Badesaison fertig wird. Die Wakeboardanlage soll – wenn alles läuft wie geplant – voraussichtlich im Frühjahr 2018 eröffnet werden.

Für die Besucher des Aquaparks soll sich nichts ändern, wie Schmid unterstreicht. „Wir haben nicht vor, Eintritt zu verlangen. Es bleibt wie gehabt bei der Parkgebühr von 3,50 Euro.“ Zudem sollen die Liege- und Parkflächen deutlich erweitert werden, um einem größeren Andrang gerecht zu werden.
Klangfeld denkt schon weiter und hat bereits viele Ideen und Zukunftsvisionen für den Aquapark, unter anderem wären ein Triathlon, Beachvolleyball-Meisterschaften oder Open-Air-Konzerte denkbar, sagt Schmid. Priorität habe jedoch der Wohlfühleffekt am See, man wolle die Besucher nicht durch eine wöchentliche „Ramba-Zamba-Partymeile“ verschrecken.

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Der Moosburger Aquapark – ein Badeparadies im Sommer.   Quelle: Klangfeld

Neues Eisstadion ohne Gäste?

Oft nur wenige Besucher beim öffentlichen Lauf – Vereine wünschen sich mehr Zuschauer
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Für rund fünf Millionen Euro ist das Moosburger Eisstadion saniert und überdacht worden, eine höher Auslastung wäre wünschenswert.  (Quelle: Laura Schindler)

Es ist noch nicht lange her, dass das Eisstadion für etwa fünf Millionen Euro saniert und überdacht worden ist. Trotzdem scheinen die Nutzerzahlen zurückzugehen, was sich vor allem bei Abendlauf und Eisdisco bemerkbar macht. Die Eishockeyvereine EV Moosburg und EV Aich haben jedes Jahr zu kämpfen und klagen über zu wenige Zuschauer bei den Heimspielen in der Sparkassen-Arena.

Eishockey ist ein teurer Sport. Und doch einer, der unterhält – „egal, wie schlecht das Spiel ist“, wie Bastian Amann, Pressesprecher des EV Moosburg, es formuliert. Der Sport Eishockey hat in der Dreirosenstadt eine lange Tradition, vor allem in den 80er Jahren, als man noch in der Oberliga mitspielte, waren die Eishackler in Moosburg sehr angesagt. Seit fünf Jahren nun spielt der EV Moosburg wieder in der Bayernliga – und das bislang sehr erfolgreich.

EV Moosburg könnte gut mehr Zuschauer vertragen

Dennoch klagt man im Verein über zu wenige Zuschauer: „Im Schnitt zählen wir 210 Gäste pro Heimspiel. Das ist für die Bayernliga sehr wenig.“ Andere Mannschaften in der Liga, etwa der ECDC Memmingen, HC Landsberg oder TEV Miesbach, würden da einiges mehr auf die Waage bringen, im Schnitt sogar vierstellige Zahlen. „Dafür gibt es viele Gründe“, so Amann. „Ich denke, es liegt hauptsächlich daran, dass Moosburg im Speckgürtel Münchens liegt und die Einwohner verwöhnt sind mit einem vielfältigen Freizeitangebot.“ Landsberg beispielsweise sei eine „Hochburg“, da sei Eishockey fast schon Pflicht.

Dasselbe Problem wie Moosburg plage jedoch auch die Nachbarn aus Freising und Pfaffenhofen. Letztere spielen auch in der Bayernliga und zählen sogar noch weniger Besucher als Moosburg. „Selbst die Freisinger kommen mit ihrer attraktiven neuen Halle nicht über 200 bis 300 Zuschauer hinaus“, berichtet Amann. 800 Gäste würden offiziell in der Sparkassen-Arena Platz finden, inoffiziell habe man locker Kapazität für 1500, meint Amann. „An die Grenzen sind wir erst ein einziges Mal beim Eröffnungsspiel des neuen Stadions gegen Freising gekommen.“ Selbst bei Lokalderbys gegen Erding oder Dorfen zähle man nur 400 bis 500 Fans. „Viele Leute sind nicht mehr bereit, sich den Lokalsport anzusehen, und verfolgen lieber die Profispiele im Fernsehen“, so Amann, der diese Entwicklung bedauert: „Der Verein kämpft jedes Jahr.“

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Der EV Aich bei einem Heimspiel vor leeren Zuschauerrängen. Quelle: Bernd Spanier

Fast hätte es in dieser Saison sogar mit einem Hammerspiel für den EV Moosburg geklappt, nämlich gegen den EV Landshut, der es gerade noch in die Meisterrunde der Oberliga Süd geschafft hat. Wäre der EVL nach seinem schlechten Saisonstart in die Abstiegsrunde und der EVM in die Play-offs gekommen, wären die beiden Teams aufeinandergetroffen. Der EVM hat die Play-offs in der Bayernliga jedoch knapp verpasst und musste in die Abstiegsrunde. „In einem Spiel mal so viele Fans wie Memmingen oder Landsberg zu haben, wäre schon der Wahnsinn“, sagt Amann. „Meiner Meinung nach sind in Moosburg mit der Bayernliga Qualität und ein tolles Eishockey geboten, es sind auch immer wieder ehemalige Nationalspieler zu sehen, eigentlich muss das reichen. Außerdem machen wir es jedes Jahr bis zum Schluss der Saison spannend.“

Das seit 2009 neu überdachte Eisstadion habe beim Nachwuchs einen zwischenzeitlichen „Hype“ ausgelöst, der mittlerweile aber wieder abgeflaut sei, so Amann. Zwar befinde sich der EVM in einer komfortablen Situation, da auch viele Landshuter Kinder, für die beispielsweise das Training beim EVL zu teuer wäre, beim EVM spielten. Dennoch ist Eishockey mit drei Trainings pro Woche plus Spielen am Wochenende ein zeitintensiver Sport und muss – wie andere Sportarten auch – dem gesellschaftlichen Wandel geschuldet um seinen Nachwuchs kämpfen. Zudem fallen beim Eishockey hohe Kosten fürs Material an, die sich bei einer Gesamtausrüstung schnell auf rund 1500 Euro belaufen.

Weniger Besucher bei Eisdisco und Abendlauf

„Das Eisstadion an sich läuft bei weitem nicht mehr so gut wie früher“, sagt Bastian Amann. Eisdiscos und Abendläufe seien eine wichtige Einnahmequelle für den Verein, hier sinken die Zahlen allem Anschein nach aber. Die Einnahmen der öffentlichen Läufe gehen an die Stadt Moosburg, diese konnte jedoch keine Angabe zur genauen Anzahl der Nutzer machen. Im Jahr 2016 führte der Verwaltungshaushalt Ausgaben in Höhe von 260.424,94 Euro für das Eisstadion an. Dem gegenüber standen 159.422,78 Euro Einnahmen, davon waren 28.571,40 Eintrittsgelder. Jedes Jahr macht die Stadt ein Defizit beim Eisstadion, die Unterhaltskosten sind hoch, Preiserhöhungen beim Eintritt wären nicht sozial gerecht.

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Eine weitgehend leere Halle: Zum öffentlichen Lauf kommen oft nur wenige Besucher in die Sparkassen-Arena.  Quelle: Laura Schindler

Die Eishockeyvereine EV Moosburg und EV Aich organisieren viele Attraktionen für die Öffentlichkeit wie Eisfußball, Schlittschuhkurse, Jugendturniere oder die Eisdiscos. Beim Bau des neuen Stadions habe der Förderverein Eissport etwa 5000 Stunden Eigenleistung eingebracht, wie EVM-Vorsitzender Bernhard Loidl berichtet. Derzeit sind laut Loidl alle Eiszeiten von Vereinen und Hobbymannschaften komplett ausgebucht, dennoch gebe es auch Nutzer, die in der Vergangenheit weggefallen seien, wie beispielsweise die Stockschützen mit ihren Turnieren.

Ein weiterer Grund für den Rückgang von Zuschauern und Läufern könnte auch die neue Eishalle in Freising sein, meint Loidl. Einwohner aus Langenbach oder Marzling würden vielleicht eher nach Freising zum Eislaufen fahren. „Schade ist auch, dass man die Abendläufe aufgrund der Lärmschutzmaßnahmen nur bis 21.45 Uhr veranstalten kann“, bedauert Loidl. Durch längere Öffnungszeiten könnte man mehr Besucher gewinnen und die Einnahmen steigern.

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Das früher noch offene Stadion war beim Eislauf stets gut besucht.  Quelle: Bernd Spanier

„Eisstadion für Moosburg nicht selbstverständlich“

Vorsitzender Hanns Koller ist im Allgemeinen zufrieden mit den Zuschauerzahlen bei Spielen des EV Aich: „Es kann natürlich immer besser sein.“ Im Schnitt zähle man 50 bis 150 Besucher bei der ersten Mannschaft, die in der Bezirksliga spielt. „Die Tendenz liegt eher bei unter 100“, so Koller. Im Vergleich zu anderen Sportarten wie Fußball oder Tennis könne man sich mit derartigen Zahlen jedoch noch glücklich schätzen. Dass die Zuschauerzahlen zurückgehen, könnte laut Koller auch daran liegen, dass viele Leute lieber auf umliegenden Weihern, die zugefroren sind, Schlittschuhlaufen gehen. Ein Eisstadion für eine Kleinstadt wie Moosburg sei allerdings Luxus und nicht selbstverständlich, dies müssten die Bürger auch zu schätzen wissen, so Koller: „Lange Zeit war das Moosburger Eisstadion sogar das Einzige im ganzen Landkreis!“

Bürgermeisterin Anita Meinelt denkt, dass gerade die neue Überdachung den Rückgang der Zuschauerzahlen ausmachen könne: „Viele Leute gehen lieber raus an die frische Luft, wenn das Wetter schön ist. In ein überdachtes Gebäude geht man ja eher bei schlechter Witterung.“ Dennoch bereut sie es nicht, vor acht Jahren das Geld in die Hand genommen zu haben, um das Stadion zu sanieren. Schließlich nutzten auch alle Schulen vormittags unabhängig vom öffentlichen Lauf das Stadion. „Es hat sich absolut gelohnt“, so das Fazit der Bürgermeisterin.

KOMMENTAR

Luxus direkt vor der Haustür

Rund fünf Millionen Euro für ein neues Eisstadion. Da sollte man erwarten dürfen, dass die Halle gut genutzt wird. Der Bedarf ist zweifellos da, das Stadion wird von mehreren Vereinen und allen Moosburger Schulen genutzt, die Eiszeiten sind komplett ausgebucht. Und trotzdem kommt es nicht selten vor, dass man beim öffentlichen Lauf, sogar an einem Samstagabend, auf eine einsame Halle mit einer Handvoll Besucher trifft. Wo früher die Eisfläche kochte und hunderte Teenager bei der Eisdisco ihre Runden drehten, herrscht momentan eher Ruhe. Dies ist nicht nur fatal für die Vereine, die sich unter anderem durch die Einnahmen aus Eisdisco und Abendlauf finanzieren, es ist auch schade für die schöne Halle. Moosburg kann sich glücklich schätzen, ein eigenes Eisstadion für eine Kleinstadt mit knapp 18.000 Einwohnern ist nicht selbstverständlich – blickt man auf ähnlich große Gemeinden im Landkreis. Es ist verständlich, dass öffentliche Einrichtungen wie Schwimmbad oder Eisstadion kaum kostendeckend für die Stadt sein können, dennoch sind sie sehr wertvoll für das gesellschaftliche Leben. Dieses Luxus‘ sollten sich die Einwohner bewusst sein. Zu einer lebendigen Stadt gehören nicht nur die Angebote, sondern auch die Menschen, die diese beleben.

Nurullah will arbeiten

34-jähriger Afghane darf trotz Ausbildungsvertrag keine Schneiderlehre machen
Gescheiterte Ausbildung: Ab dem 1. Januar wollte Nurullah (r.) von Gabi Urban das Schneiderhandwerk lernen, daraus wird nun erst einmal nichts.

Gescheiterte Ausbildung: Ab dem 1. Januar wollte Nurullah (r.) von Gabi Urban das Schneiderhandwerk lernen, daraus wird nun erst einmal nichts.

Eigentlich war alles schon unter Dach und Fach: Der 34-jährige Nurullah aus Afghanistan wollte bei Gabi Urban das Schneiderhandwerk lernen, der Arbeitsvertrag war bereits unterschrieben. Doch noch bevor er am 1. Januar mit der Ausbildung beginnen konnte, machte die bayerische Staatsregierung dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung.

Am 6. August 2016 ist das neue Integrationsgesetz in Kraft getreten. Flüchtlinge haben demnach Anspruch auf bis zu fünf Jahre Duldung, sofern sie einen Ausbildungsplatz vorweisen können. Für viele Betriebe aus dem Handwerks- und Gastronomiebereich war diese Regelung interessant, weil es seit Jahren schwer ist, Azubis zu finden. Seit einigen Wochen unterläuft man in Bayern jedoch die neue Regelung. Vielen Auszubildenden droht somit die Abschiebung, Firmen und Wirtschaftsverbände sind verärgert.

Das seit Anfang des Jahres durchs Bayerische Innenministerium ausgerufene Arbeitsverbot für Flüchtlinge mit einer geringen Aussicht auf Bleibeperspektive trifft nun auch Nurullah aus Moosburg. Der 34-jährige Afghane hat in seinem Heimatland lange Zeit als Industrieschneider gearbeitet. Durch einen Freund wurde er auf den Schneiderbetrieb von Gabi Urban aufmerksam. Dort konnte man eine Aushilfe gut gebrauchen, wie die Unternehmerin erzählt: „Nurullah hat im Oktober bei uns für zwei, drei Wochen hospitiert.“ Urban war vom Geschick des Afghanen überzeugt und erwarb eine Ausbildungserlaubnis bei der Handwerkskammer. Die Behördengänge nahm ihr Flüchtlingshelfer Reinhard Kastorff ab. Schließlich wurde der Vertrag unterschrieben, ab 1. Januar 2017 sollte die Ausbildung für Nurullah starten. Doch dann klingelte das Telefon bei Gabi Urban, am Apparat das Landratsamt Freising: Nurullah habe keine Arbeitserlaubnis mehr. Der Ausbildungsvertrag war damit nichtig.

 

Die bayerische Regierung bedient sich hierbei eines Schlupflochs: Bei den Verhandlungen zum Integrationsgesetz wurde zur 3+2-Regelung ein Nachsatz eingefügt. In Paragraf 60a des Aufenthaltsgesetzes steht demnach: Die Duldung „ist zu erteilen, wenn konkrete Maßnahmen zur Aufenthaltsbeendigung nicht bevorstehen“. Dieser Zusatz war eigentlich für Extremfälle gedacht: Sollte kurz vor dem bereits gebuchten Abschiebeflug ein Ausbildungsvertrag auftauchen, soll das die Abschiebung nicht verhindern. Bayern interpretiert dies jedoch viel weiter: Eine „konkrete Maßnahme zur Aufenthaltsbeendigung“ liege demnach bereits vor, wenn das Amt den Antragsteller aufgefordert habe, einen Pass zu beantragen. Das allerdings betrifft sehr viele Flüchtlinge, die vor oder nach der Einreise ihre Papiere wegwerfen – aus Angst vor einer Abschiebung.

Auch Nurullah hat einen neuen Pass beantragt. Einen Abschiebebescheid hat er bislang nicht erhalten. Für Urban ist das Arbeitsverbot unverständlich: „Da kommt jemand, der sich selbst um die Ausbildungsstelle gekümmert hat, gutes Basiswissen mitbringt, arbeiten will und dann sowas!“

Zudem verärgere es sie, dass durch das Arbeitsverbot Unternehmern reihenweise die Azubis weggenommen würden, mit denen man fest gerechnet habe. „Wir könnten Nurullah momentan gut gebrauchen. Im Dezember ist meine Meisterin gegangen, man merkt, dass eine Arbeitskraft fehlt. Stattdessen sitzt er daheim und hat nichts zu tun, obwohl er gerne arbeiten würde“, sagt Urban.

Gerade Unternehmen und Wirtschaftsverbände waren es, die die Politik im Zuge der Flüchtlingskrise in die Pflicht genommen hat, Asylbewerber in die Arbeitswelt zu integrieren. 20 Millionen Euro haben die Industrie- und Handelskammern beispielsweise in das Projekt „Ankommen in Deutschland“ investiert, in einem Integrationspakt hat sich Bayern dazu verpflichtet, bis 2019 etwa 60.000 Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu bringen. Dieses Ziel dürfte durch die vielen Arbeitsverbote schwer zu erreichen sein, fürchten Unternehmer.

Im Fall von Nurullah geht Reinhard Kastorff nun mit einer Münchner Anwaltskanzlei vors Verwaltungsgericht, Nurullahs Arbeitserlaubnis soll eingeklagt werden. „Wir hoffen weiterhin auf das Beste“, sagt Gabi Urban. „Nurullah ist zwar schüchtern, aber fleißig, und er gibt sich Mühe, Deutsch zu lernen.“ Momentan bleibt dem 34-jährigen nicht viel mehr übrig, als zuhause auf eine Veränderung zu warten. „Wir Afghanen bekommen zur Zeit nicht einmal mehr Deutschkurse an der Volkshochschule“, berichtet er. Nurullah versucht trotzdem auf dem Laufenden zu bleiben und sich selbst weiterzubilden.

 

Das Bayerische Fernsehen war für die Sendung

Das Bayerische Fernsehen war für die Sendung „quer“ zu Gast bei Gabi Urban, um über Nurullahs Geschichte zu berichten. Die Sendung lief am 19. Januar.

Eine Runde weiter

Die Moosburger „DSDS“-Kandidatin Bianca Jenny hat es in den Recall geschafft
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Sie hat es geschafft: Stolz hält die 17-jährige Bianca Jenny den gelben, eingerahmten Recall-Zettel von „DSDS“ in den Händen. (Quelle: Laura Schindler)

Bianca lebt ihren Traum: Sie ist Kandidatin bei der 14. Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ und geht ihrem Wunsch nach, Sängerin zu werden. Am Samstagabend wurde ihr Casting auf RTL ausgestrahlt, bei dem sie die Jury mit dem Song „When we were young“ von Adele überzeugte und es so in den Recall schaffte.

Gespannt, wie viele andere Moosburger, die sehen wollten, wie sich die 17-Jährige bei „DSDS“ schlägt, verfolgte auch Bianca selbst ihren ersten Fernsehauftritt. „Ich hab’ geweint, ich hätte am liebsten alles in Zeitlupe gesehen!“, erzählt sie. Sich das erste Mal selbst im Fernsehen zu sehen, sei komisch, aber auch spannend gewesen, so Bianca. „Mir ist aufgefallen, dass ich vor lauter Aufregung ein bisschen durcheinandergeredet habe – das merkt man in dem Moment, in dem man gefilmt wird, gar nicht.“

Doch mit ihrer natürlichen, unbefangenen Art hat sie die Jury für sich gewonnen. Gleich als erste Kandidatin wurde Bianca vergangenen Samstag um 20.15 Uhr auf RTL gezeigt. Vor dem Casting war sie sehr aufgeregt und nervös: „Ich hab’ am ganzen Körper gezittert.“

Als Juryjoker wählte sie Dieter Bohlen, weil „er schon immer dabei ist und einfach Ahnung hat“. Vom „Poptitan“ kam natürlich auch gleich der erste blöde Spruch, als Bianca sich der Jury vorstellte und sagte, dass sie „When we were young“ von Adele singen wird: „Du bist doch young ?“, scherzte Bohlen. Als Bianca dann jedoch mit dem Singen loslegte, hatte es selbst ihm die Sprache verschlagen. Ihre Stimme ist sehr ausdrucksvoll, voluminös und voller Gefühl. Den schwierigen Song von Adele hat sie von Anfang bis Ende perfekt gesungen und gemeistert.

Vonseiten der Jury gab es deshalb auch großes Lob. Nur Scooter-Frontman H. P. Baxxter hatte ein wenig Kritik für Bianca übrig: „Du hast es ja nicht falsch gesungen oder so, es fehlte mir persönlich nur der Druck.“ Dennoch konnte er sich die 17-Jährige im Wettbewerb gut vorstellen und gab ihr ein „Ja“. Die 21-jährige Jurorin Shirin David, bekannt durch ihren YouTube-Kanal, dem über 1,8 Millionen Menschen folgen, war fasziniert von Biancas Auftritt und ihrer unschuldigen, natürlichen Erscheinung. Schlagerstar Michelle betonte, Bianca habe für ihre 17 Jahre „eine echt reife Stimme“. Und Dieter Bohlen ? Der wollte keinen Druck von Bianca oder dass sie noch mehr aus sich rauskommt, sondern, dass sie genauso bleibt, wie sie ist. „Änder da bloß nichts dran, der Auftritt war perfekt !“, gab er der Moosburgerin mit auf den Weg.

Viermal „Ja“ also für Bianca und ein sehr positives Feedback. Und nun ? Im Fernsehen wird die 17-jährige Moosburgerin, die ursprünglich aus Gmünd im Waldviertel in Niederösterreich stammt, erst wieder in der zweiten Runde im März zu sehen sein, wo sie erfährt, ob sie es in den Auslandsrecall nach Dubai schafft. Bis dahin hat Bianca also erst einmal Zeit für andere Sachen – und auch schon Pläne: „Ich möchte meinen YouTube-Kanal aufbauen, bald ein neues Cover hochladen und meine Fans auf dem Laufenden halten.“

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In Moosburg schon eine kleine Berühmtheit: Fanfoto mit Luigi Melfi.

Seit Biancas Casting hat sich nämlich schon eine richtige Fanbase um die Moosburger DSDS-Kandidatin gebildet: 3963 Leute folgen ihr auf Instagram, 2228 gefällt ihre Seite „Bianca Jenny“ auf Facebook. Rund 400 Nachrichten erhält die 17-Jährige pro Tag. „Ich versuche, so gut es geht, auf alles zu antworten, komme aber gar nicht nach“, berichtet Bianca. Trotzdem freut es sie, dass plötzlich so viele Menschen, vor allem junge Mädchen, an ihr interessiert sind. „Nun bekomme ich auch mal mehr Feedback auf der Seite und kann auf die Wünsche der Leute reagieren.“ Schon jetzt hat Bianca in ihrer Zeit bei „DSDS“ viel gelernt und mitgenommen: „Ich habe mir immer die Kritik der Jury zu Herzen genommen, bin offener und selbstbewusster geworden“, erzählt die 17-Jährige. Auch gute Freundschaften mit den anderen Kandidaten hat sie bereits geschlossen: „Wir haben früh eine Gruppe gegründet, in der sich alle sehr gut verstanden haben. Die Musik verbindet uns alle unglaublich.“

In der Jury findet Bianca Jurorin Michelle am strengsten: „Allerdings ist es auch gut, dass sie den Kandidaten ehrlich und direkt ihre Meinung sagt, so weiß jeder, woran er ist.“ Shirin David hingegen versuche meistens, die Kritik möglichst sanft zu verpacken. Bianca findet ihren Platz in der Jury, obwohl sie erst 21 Jahre alt ist, gerechtfertigt, gerade weil sie sich so gut in die Kandidaten hineinversetzen könne.

Nach „DSDS“ ähnlich wie Shirin David und viele andere Internetstars auf YouTube und Instagram durchzustarten und erfolgreich zu werden, kann sich auch Bianca vorstellen. „Ich möchte nach der Castingshow auf jeden Fall nicht gleich von der Bildfläche verschwinden. Wenn man so einen YouTube-Kanal richtig macht, kann man auch Erfolg damit haben. Ich muss nur noch überlegen, was ich anders als die anderen machen, womit ich mich auszeichnen kann.“

Egal, wo ihr Weg sie dann letztendlich hinführen und wie weit sie bei „DSDS“ kommen wird, in jedem Fall darf man gespannt sein, was von Bianca in der nächsten Zeit noch zu hören sein wird !

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Mit ihrer natürlichen, offenen und unbefangenen Art hat Bianca die Jury von „Deutschland sucht den Superstar“ beim Casting überzeugt. (Quelle: Laura Schindler)

Der große Traum vom Superstar

Die 17-jährige Bianca Jenny aus Moosburg ist am Samstag auf RTL bei „Deutschland sucht den Superstar“ zu sehen
Deutschland sucht den Superstar

Die 17-jährige Bianca Jenny aus Moosburg wird am Samstagabend bei „Deutschland sucht den Superstar“ singen. © RTL/Stefan Gregorowius

Die 17-jährige Bianca Jenny will sich den großen Traum vom Superstar erfüllen: Am Samstagabend ist die junge, talentierte Sängerin auf RTL bei der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ zu sehen und tritt in der ersten Runde vor die Jury.

„Ich singe schon, seit ich denken kann“, sagt Bianca. Zwar hat die 17-Jährige nie Gesangsunterricht genommen, dennoch hat sie immer schon zuhause vor dem Spiegel für sich oder vor ihren Freunden gesungen. Und sie hat Talent. Auf ihrem YouTube-Kanal „Bianca Jenny“ sind vier Musikvideos hochgeladen, in denen sie unter anderem „Love Yourself“ von Justin Bieber oder „All of me“ von John Legend covert. Biancas Stimme ist stark und ausdrucksvoll, die Songs interpretiert sie auf ihre eigene Art und Weise mit viel Gefühl.

„DSDS“ könnte nun für die 17-jährige Moosburgerin die erste Chance sein, ihr Talent auf einer großen Bühne unter Beweis zu stellen, vor einem Millionenpublikum. Dabei war das so gar nicht geplant, wie Bianca berichtet: „Ich hatte es zwar vor, seitdem ich 16 bin, aber selbst hätte ich mich nie getraut, mich anzumelden.“ Diese Hürde hat „DSDS“ ihr abgenommen, denn die Macher der Castingshow sind auf Bianca zugegangen. Durch ihre Facebookseite oder den YouTube-Kanal, vermutet Bianca, seien sie im Internet auf die 17-Jährige aufmerksam geworden und hätten gefragt, ob sie nicht teilnehmen möchte.

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Der Zeitpunkt könnte besser nicht sein, denn Bianca – oder Bibi, wie sie auch genannt wird – hat im Sommer ihren Abschluss an der Fachschule in Österreich gemacht. Vor wenigen Monaten ist sie dann nach Moosburg zu ihrer Mutter gezogen und macht nun erst einmal eine Pause, nimmt sich eine Auszeit. „Als ich umgezogen bin, war die Anmeldung an den Schulen schon abgeschlossen, sodass ich nicht mehr angenommen wurde“, erklärt Bianca. Dennoch sei ihr die Schule wichtig, betont die 17-Jährige: „Ich will auf jeden Fall noch mein Abitur machen.“ Schon vor ihrem ersten Auftritt im Fernsehen, dem ersten Casting bei „DSDS“, das am morgigen Samstag um 20.15 Uhr auf RTL gezeigt wird, steht Bianca ein wenig im Rampenlicht: der erste Artikel, über 1200 „Gefällt mir“-Angaben auf ihrer Facebookseite, unzählige Nachrichten und Anrufe. Und wie geht die junge Frau mit diesem Medienrummel um? „Ich hab mich mega gefreut und bin hier in der Wohnung rumgehüpft, ich konnte das alles gar nicht glauben“, gesteht Bianca.

Beim Casting in Köln vor der Jury aus Dieter Bohlen, Scooter-Frontman H. P. Baxxter, YouTube-Star Shirin David und Schlagerstar Michelle war Bianca sehr aufgeregt: „Ich wusste bis dahin überhaupt nicht, was diese Nervosität mit meinem Körper anstellen kann. Ich war total steif und konnte nicht mal mehr lachen“, erzählt die 17-Jährige. „Als ich dann angefangen habe zu singen, habe ich das alles zum Glück schnell vergessen.“ Plötzlich vor den Jurymitgliedern zu stehen, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, war für Bianca „unreal“, aber auch faszinierend: „Ich hab’ mich zuerst gar nicht getraut, beim Gang zum Vorsingen durchs Fenster rüberzuschauen. Es sah aus, als stünden da Pappaufsteller oder Wachsfiguren.“ Doch sobald sie sich mit der Jury unterhielt, war auch diese Anspannung verflogen.

Deutschland sucht den Superstar

Mit dem Song „When We Were Young“ von Megastar Adele will Bianca die DSDS-Jury überzeugen. © RTL/Stefan Gregorowius

Als Song hat Bianca sich „When We Were Young“ von Adele ausgesucht. Obwohl ihr Juryjoker Dieter Bohlen Kandidaten oft dafür kritisiert, dass sie sich „zu hohe Hausnummern“ von Megastars wie beispielsweise Adele aussuchen, fühlt sich Bianca mit ihrer Wahl sicher. „Ich habe auf mein Gefühl vertraut. Meine Familie hat gesagt, ich soll das nehmen, was ich zuhause am meisten singe, und das habe ich getan.“ Die britische Pop-Sängerin Adele ist Biancas großes Vorbild und Idol. „Ich liebe ihre Stimme“, sagt die DSDS-Teilnehmerin. „Egal welches Lied, sie nimmt mich immer mit.“ Auch Adeles starke Persönlichkeit und ihre offene Art, Probleme anzusprechen, bewundert die 17-Jährige. Ansonsten singt Bianca viele Songs, die „gerade neu herausgekommen sind“ und sie ansprechen. Biancas persönliches Ziel bei „Deutschland sucht den Superstar“ ist es, den begehrten gelben Recall-Zettel in den Händen zu halten und erst einmal eine Runde weiterzukommen. Toll wäre es auch, sagt die 17-Jährige, es in den Auslandsrecall nach Dubai zu schaffen und vielleicht sogar einmal auf der großen Bühne in den Liveshows singen zu dürfen. Alles, was danach kommt, wäre natürlich ein Traum für sie.

Biancas Familie, die ursprünglich aus Gmünd im Waldviertel in Niederösterreich stammt, stärkt ihr den Rücken bei der Reise mit DSDS: „Meine Eltern standen von Anfang an hinter mir und drücken mir die Daumen. Meine Familie und mein Lachen sind meine Glücksbringer.“

Bianca hat außer dem Singen übrigens noch viele weitere Hobbys: Sie kocht, backt, malt und schminkt sich sehr gerne. Außerdem beschreibt sie sich als sehr verrücktes und durchgeknalltes Mädchen. Und: Im bayerischen Moosburg gefällt es ihr sehr gut. „Zwar kann man nie sagen, wo es mich mal noch hinführt, aber ich fühle mich sehr wohl hier, es fühlt sich an wie zu Hause.“

Alle Infos zu ‚Deutschland sucht den Superstar‘ im Special bei RTL.de: http://www.rtl.de/cms/sendungen/superstar.html

https://www.youtube.com/watch?v=ubpXSmuF4XY

Zu Fuß bis nach Kanada

Hans Stoiber aus Chile will in zwei Jahren über Europa und Asien nach Amerika wandern

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Hans Stoiber will von Deutschland aus bis nach Kanada gehen.         (Quelle: Laura Schindler)

„Ich wollte das schon lange machen“, sagt Hans Stoiber. Der 61-Jährige will zu Fuß von Deutschland aus bis nach Kanada wandern. Mit großem Reiserucksack samt Schlafsack, Zelt und Isomatte klopft er in unserer Redaktion und erzählt in gebrochenem Deutsch von seinem Vorhaben. Zwei Jahre hat der Sohn eines deutschen Vaters, der nach dem Krieg nach Chile ausgewandert ist, dafür eingeplant. „Ich will nicht länger warten und es noch mehr aufschieben.“

Als Stoiber seinen bayerischen Nachnamen buchstabiert, muss er lachen. „Ich werde oft gefragt, ob ich mit dem früheren Ministerpräsidenten verwandt bin – bisher weiß ich nichts davon.“ Denn der lebensfrohe Mann scheint nirgendwo auf der Welt so richtig zuhause zu sein. In Santiago de Chile geboren, in South Carolina studiert, in München gearbeitet. Er hat viel gesehen und erlebt, und doch ist es ihm noch nicht genug. „Ich liebe es, unterwegs zu sein“, sagt Stoiber.

Was genau ihn nun zur Marschroute nach Amerika bewegt hat, erklärt er so: „Es fasziniert mich, wie vor etwa 11 000 Jahren die ersten Menschen über die Beringia-Landbrücke nach Amerika gekommen sind. Ich frage mich, wie es für sie gewesen sein muss, eine solch gefährliche Reise auf sich zu nehmen.“

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Stoiber möchte genau dies nachempfinden, den Weg „nachlaufen“. Ursprünglich hat er seine Reise deshalb auch von Moskau nach New York geplant. Moskau wäre nun aber ein zu weiter Schlenker in den Norden gewesen. Ob er es bis nach New York schafft, weiß der 61-Jährige nicht. Bis nach Kanada, auf den amerikanischen Kontinent, aber will er es auf jeden Fall schaffen. „Ich bin mir sicher, dass es auch heute noch sehr anstrengend ist, Amerika von Russland aus zu durchqueren, selbst wenn ich mich darauf vorbereiten kann.“

Gestartet ist der Weltenbummler am 4. November in Köln. Innerhalb von 20 Tagen hat er dann München erreicht. Diese erste Reise habe mehr der Orientierung gedient, erzählt Stoiber: „Ich wollte einen Eindruck davon gewinnen, was ich alles für so eine Reise zu Fuß benötige, und ob ich so etwas überhaupt überlebe.“ Ein kleiner Vorgeschmack sozusagen auf das Leben zu Fuß, ohne andere Transportmittel zu benutzen.

In München angekommen, hat Hans Stoiber dann erst einmal gearbeitet, um Geld zu verdienen und sich eine bessere Ausrüstung zu kaufen. Auch bei der Initiative Krebskranke Kinder München e. V. hat er sich engagiert und geholfen, Pakete für Weihnachten einzupacken. Das Schicksal der Kinder dort hat ihn bewegt. Durch seine Reise will er auf derartige gemeinnützige Organisationen aufmerksam machen und ihnen auf diese Weise helfen. Pro Land, das er bereist, will Stoiber sich eine Initiative heraussuchen und unterstützen.

Von München aus sollte es dann eigentlich über Innsbruck nach Wien gehen, berichtet Stoiber: „Ich suche mir meine Routen immer in Google Maps raus, diese wurde mir als die kürzeste angezeigt.“ Doch ein Bekannter aus Moosburg habe ihm empfohlen, an der Isar bis Passau entlangzuwandern und von dort aus nach Wien zu gehen. „Ich war froh um diesen Ratschlag, an der Isar ist es so viel schöner – auch wenn die aktuelle Jahreszeit sehr grau und kalt ist.“

Mit der Kälte hat Stoiber kein Problem: Jede Nacht verbringt er in seinem Zelt, auch im Winter. Pro Tag geht er rund 30 Kilometer, manchmal mehr, manchmal weniger. Wien will er in zwölf bis 14 Tagen erreichen. Von dort aus soll es nach Budapest, Bukarest und Bulgarien, in die Türkei, den Iran und über Turkmenistan, Usbekistan und Kasachstan nach China und in die Mongolei und schließlich von Sibirien und Ost-Russland aus nach Alaska und Kanada gehen.

Gepäck will Stoiber so wenig wie möglich mitschleppen, 13 bis 15 Kilogramm lassen sich mit dem Nötigsten jedoch nicht vermeiden. Die zweijährige Reise durch Europa und Asien will er nicht nur für sich, sondern auch für andere Menschen machen. „Ich treffe oft Leute, die mir sagen, dass sie gerne mitlaufen würden oder auch so eine Reise machen wollen, aber es hindert sie die Arbeit oder Familie daran.“ Diese Menschen will Stoiber trotzdem auf seine Art und Weise auf die Reise mitnehmen. Dafür hat er sich eine eigene Internetseite (www.moscowtonewyork.xyz) mit einem Blog angelegt, auf der er mit Bildern und Texten von seinem Abenteuer berichten wird. Auch auf Twitter (moscowtonewyork.xyz) und YouTube will er an seiner Reise interessierte Menschen auf dem Laufenden halten. Hans Stoiber ist gespannt auf die Abenteuer, die er erleben, und die Menschen, die er treffen wird. Und er ist sich sicher: „Abschied von meinem Job muss ich so oder so irgendwann nehmen. Ob es nun ein paar Jahre früher oder später ist, wen interessiert das schon?“